Grünthal Hochbrücke

Eines der schönsten und imposantesten Bauwerke am Kanal war die Straßen- und Eisenbahnhochbrücke bei Grünenthal. Gut zu erkennen, wie sich die Trockenbagger terrassenförmig bis auf die Kanalsohle vorgearbeitet haben. Heute steht die Brücke nicht mehr: Zuerst wurden die vier mächtigen Türme und nach 95 Jahren die gesamte Brücke abgerissen. Es konnten gerade noch zwei Wappenschilder mit in Stein gearbeiteten Reichsadlern gerettet und in Brunsbüttel auf der Alten- und Neuen- Schleuse aufgestellt werden.

Imposante Brücke mußte der Kanalerweiterung weichen.

Von Karl-Heinz Reiche

Brunsbüttel - Nächst der Rendsburger Hochbrücke ist die Eisenbahnbrücke der Strecke Neumünster-Heide bei Grünenthal sicherlich die technisch imposanteste gewesen. 1891 erhielt die Brückenbauanstalt Gustavsburg bei Mainz den Zuschlag zum Bau der riesigen Sichelbogenbrücke mit einer Spannweite von 156,5 Meter. Der gewaltige Damm ist 27,5 Meter hoch und zu seiner Aufschüttung wurden 1,5 Millionen Kubikmeter Erdmassen bewegt.

Im Mai 1891 konnten bereits die Widerlagergründungen erfolgen und im Juli 1892 wurden die Maurerarbeiten an den zwei gewaltigen, 16 Meter hohen Ecktürmen beendet. Diese vier Türme wurden 1935 völlig abgerissen.

Als bei diesem gigantischen Werk das letzte Stück eingesetzt wurde, hatten die Ingenieure die Freude, dass auf den Millimeter genau - Schraubloch auf Schraubloch stand. Bei der Bereisung durch den Kanal nahmen Staatssekretär v. Boetticher, Minister Berlepsch, andere höhere Beamte und von der Kaiserlichen Kanalkommission die Geheimräte Loewe und Fülscher teil. Hier wurde auch der letzte Niet in die Bogenkonstruktion eingeschlagen. Diesen feierlichen Akt vollzog der Staatsminister v. Boetticher. Und um diesen letzten Niet rankt auch eine Legende, denn er soll aus purem Gold gewesen und mit deckender Brückenfarbe übermalt worden sein. Am 4. November fand die erste Belastungsprobe mit einem Zug von zehn Lokomotiven statt. Der Kaiser besichtigte die fertige Eisenbahnbrücke am 9. November 1892: Alles war feierlich mit Flaggen und Tannengrün geschmückt. Der Kaiser kam mit dem Extrazug nach Grünenthal und entstieg mit seinem Gefolge dem Salonwagen, danach inspizierte er eingehend die neue Brücke, welche die herausragendste aller festen Kanalquerungen war, denn nur an dieser Stelle konnte man eine Brücke bauen, die von allen Seiten zu sehen war, und damit sozusagen die gewaltigen bautechnischen Leistungen dieses Kanals symbolisierte. Am 1.4. Dezember 1892 fuhr dann der erste fahrplanmäßige Personenzug über die Brücke.

Im Mai 1988 wurde das gigantische Bauwerk im Zuge der notwendigen Kanalverbreiterung abgerissen und .verschrottet.

001 ( RLueh) /
002 ( RLueh) / 2 Schwimmkräne heben das Mittelteil an
003 ( RLueh)  / Das Mittelteil ist vom Sockel gehoben
004 ( RLueh) / Die Kräne ziehen langsam achteraus
005  ( RLueh) / Die Kräne ziehen langsam achteraus
006  ( RLueh) / Die Kräne ziehen langsam achteraus
007  ( RLueh) / Die Kräne ziehen langsam achteraus und drehen nach Stb.
008  ( RLueh) / Die Kräne ziehen langsam achteraus und drehen nach Stb.
009  ( RLueh) / Das Mittelteil wird an Land auf vorbereitete Sockel gesetzt.
010  ( RLueh) / Von der Brücke stehen nur noch die Pfeiler.
011  ( RLueh) / Eines der Betonwappen. Es befindet sich jetzt auf der Alten Schleuse in Brunsbüttel.
012 / Bild zum obigen Artikel